Die Begegnung

(Heinrich Heine 1841)

 

Wohl unter der Linde erklingt die Musik,

da tanzen die Burschen und Mädel,

da tanzen zwei, die niemand kennt,

sie schaun so schlank und edel.

 

Sie schweben auf, sie schweben ab

in seltsam fremder Weise

sie lachen sich an, sie schütteln das Haupt,

das Fräulein flüstert leise:

 

„Mein schöner Junker auf Eurem Hut

schwankt eine Neckenlilie

die wächst nur tief am Meeresgrund –

ihr stammt nicht aus Adams Familie.

 

Ihr seid der Wassermann, Ihr wollt

verlocken des Dorfes Schönen.

Ich hab Euch erkannt, beim ersten Blick,

an Euren fischgrätigen Zähnen.“

 

Sie schweben auf, sie schweben ab

in seltsam fremder Weise,

sie lachen sich an, sie schütteln das Haupt,

der Junker flüstert leise:

 

„Mein schönes Fräulein sagt mir, warum

so eiskalt Eure Hand ist

und sagt mir warum so nass der Saum

an Eurem weißen Gewand ist.

 

Ich hab Euch erkannt beim ersten Blick,

an Eurem spöttischen Knixe –

Du bist kein irdisches Menschenkind,

Du bist mein Mühmchen, die Nixe!“

 

Die Geigen verstummen, der Tanz der ist aus,

es trennen sich höflich die beiden.

Sie kennen sich leider viel zu gut

und suchen sich jetzt zu vermeiden.