Die Wahl

(Gottlieb Konrad Pfeffel um 1795

Kursives Helge Keipert um 2005)

 

Graf Hunerich, ein deutscher Mann,
hielt sich und seinem Weib,
Frau Hedwich, einen Schloßcaplan
zum frommen Zeitvertreib.

Der
Mönch vergaß, beym leckern Tisch

des Grafen, sein Brevier;
aß auch am Freytag selten Fisch,

trank lieber Wein als Bier.

Einst weckt ihn was um Mitternacht;
da stand mit stillem Grimm,
gehörnt, in schwefelgelber Tracht,
Fürst Lucifer vor ihm.

Wähl, sprach er, unter dreyen Eins:
ermorde Hunerich,
entehr ein Weib, sauf dich voll Weins,
sonst hohl ich morgen dich.

 

"Was mach ich nur" fragt er sich lang,

"was soll ich denn nur tun?",

der Morgen graut, der Tag erwacht,

doch er, er kann nicht ruhn.


Er wählt die Flasche, treibt berauscht
mit Hedwich frevle Lust
und stößt dem Mann, der sie belauscht,
ein Messer in die Brust.